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Regulierung & Zentralbankenpolitik 

Goldpreis auf Rekordhoch: Entschlüsselung verborgener Dynamiken

Dr. Mathias Kunze

Berater im Wirtschafts- und Steuerrecht


7 min.
Veröffentlicht am: 13.09.2024 | 17:30 UTC
Aktualisiert am: 19.09.2024 | 11:39 UTC

Goldmarkt reagiert auf EZB-Zinssenkung

Der Goldmarkt reagiert mit plötzlichem Preisanstieg auf die Zinssenkung der EZB und neue Inflationsdaten aus den USA

Quelle: ChatGPT (OpenAI)

Getrieben durch eine unerwartete Zinssenkung der Europäischen Zentralbank erreichte der Goldpreis heute ein historisches Hoch in Höhe von 2.580,56 US-Dollar. Doch jenseits dieser unmittelbaren Impulse bestehen noch weitere sekundäre Faktoren, welche den fortwährenden Preisanstieg beeinflussen können.

Plötzliche Wendung: Zinssenkungen als Treiber des Goldpreises

 

Die gestern unerwartete Zinssenkung der Europäischen Zentralbank hat den Goldmarkt tiefgreifend beeinflusst. Die Maßnahme war durch unsichere wirtschaftliche Aussichten motiviert, was die Nachfrage der Investoren nach Gold als Investition erhöhte.

 

 

EZB-Schock hebt Goldpreis auf neues Niveau

 

Gestern hat die Europäische Zentralbank die Zinssätze gesenkt, um auf die weiterhin anhaltende schwächelnde Wirtschaftsleistung und die nahen Inflationsziele zu reagieren. Die Europäische Zentralbank senkte den Einlagenzinssatz um 25 Basispunkte auf 3,5%. Die Zinssätze für Hauptrefinanzierungsgeschäfte und die Spitzenrefinanzierungsfazilität wurden ebenfalls auf 3,65% bzw. 3,9% reduziert. Letztere Zinssatzänderungen treten jedoch erst ab dem 18. September 2024 in Kraft​. Auf diese eingreifenden Änderungen reagierte der Goldpreis bereits am gestrigen Nachmittag mit einem eklatanten Anstieg und schloss am Tagesende mit einem Kurs in Höhe von 2,580,56 US-Dollar je Feinunze.

 

Die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank reflektiert die fortgesetzten Bemühungen, das Wirtschaftswachstum zu unterstützen und gleichzeitig die Inflationsrate näher an das Ziel von knapp 2% zu bringen. Die Inflationserwartungen für die kommenden Jahre bleiben mit einer Kerninflation stabil, welche für das Jahr 2024 auf 2,9%, für das Jahr 2025 auf 2,3% und für das Jahr 2026 auf 2,0% prognostiziert wird. Die Wirtschaftsprognosen wurden jedoch mit einem erwarteten Wachstum in Höhe von 0,8% für das Jahr 2024 bzw. 1,3% für das Jahr 2025 und 1,5% für das Jahr 2026​ korrigiert.

 

Die Europäische Zentralbank betont weiterhin, dass sie eine datenabhängige und von Sitzung zu Sitzung variierende Herangehensweise verfolgt, um auf wirtschaftliche Entwicklungen flexibel reagieren zu können. Sie verpflichtet sich, die Zinssätze so lange wie nötig restriktiv zu halten, um das Inflationsziel zu erreichen​.

 

 

Mögliche Fed-Zinssenkungen: Wie sie den Goldpreis weiter antreiben könnten

 

Neben der unerwarteten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank wird erwartet, dass die US-Notenbank Federal Reserve in ihrer nächsten Sitzung am 17.-18. September 2024 ebenfalls die Zinsen senken wird. Die Federal Reserve hatte bereits kürzlich solch eine mögliche Strategie kommuniziert. Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung um 25 Basispunkte liegt bei 73%, während die Möglichkeit einer aggressiveren Senkung um 50 Basispunkte bei 27% liegt. Diese Zinssenkungen werden als Reaktion auf die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit und die gemäßigten Inflationserwartungen vorgenommen. Es besteht eine breite Erwartung, dass die Federal Reserve selbst in den letzten Monaten des Jahres 2024 noch mehrere Zinssenkungen vornehmen wird, wobei die Zinsen voraussichtlich bis März 2025 schrittweise um jeweils 25 Basispunkte gesenkt werden. Danach soll eventuell eine langsamere Anpassung erfolgen.

 

Die geplanten Zinssenkungen der Federal Reserve könnten sich daher erheblich auf den Goldmarkt auswirken, da niedrigere Zinsen typischerweise Investitionen in Gold attraktiver machen.

 

Die Federal Reserve verfolgt eine datenabhängige Politik und hat in der Vergangenheit betont, dass sie ihre Entscheidungen auf der Grundlage der neuesten Wirtschaftsindikatoren treffen wird. Die bevorstehende Sitzung wird daher von Analysten und Investoren genau beobachtet, da sie wesentliche Hinweise auf die zukünftige Richtung der US-Geldpolitik und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft liefern wird.

 

 

Nach EZB-Zinssenkung: Zentralbanken setzen noch stärker auf Gold

 

Angesichts der gestrigen Zinssenkung der Europäischen Zentralbank und den antizipierten Zinssenkungen der Federal Reserve suchen Zentralbanken weltweit verstärkt nach Stabilität. Diese Schritte haben das Vertrauen in konventionelle Anlagen untergraben und machen Gold attraktiv. Die steigende Nachfrage nach Gold durch Zentralbanken reflektiert ihre Bemühungen, sich gegen die damit verbundenen wirtschaftlichen Turbulenzen abzusichern.

 

 

Ein globaler Trend: Warum Gold bei den Zentralbanken dominiert

 

Aufgrund der aktuell überraschenden Zinssenkung der Europäischen Zentralbank und die angekündigten Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve haben die Zentralbanken weltweit ihre Strategie zur Diversifizierung ihrer Währungsreserven weiter intensiviert. In diesem Kontext dominiert Gold weiterhin den Fokus der Währungsstrategen. Die Präferenz für Gold über den US-Dollar reflektiert eine tiefgreifende Unsicherheit bezüglich der langfristigen Stabilität und Kaufkraft des Dollars, was durch anhaltende niedrige Zinsen und die Sorge vor einer potenziellen Hyperinflation verstärkt wird.

 

Diese Neubewertung der Reservepolitik ist nicht nur eine defensive Reaktion auf die monetäre Expansion in den USA und der Eurozone, sondern auch ein proaktiver Schritt zur Absicherung gegen geopolitische Risiken und zur Erhöhung der finanziellen Unabhängigkeit. Durch die Erhöhung ihrer Goldreserven streben Zentralbanken eine stärkere Absicherung gegen Währungsschwankungen und politische Unsicherheiten an, welche das globale Finanzsystem zunehmend belasten. Diese strategische Verschiebung könnte langfristige Auswirkungen auf die globale Währungsordnung haben, indem sie die Rolle des Dollars als Weltreservewährung in Frage stellt und möglicherweise zu einer Neugestaltung der finanziellen Machtverhältnisse führt.

 

 

Strategische Goldreserven: Polens ehrgeiziges Ziel und dessen Marktimpulse

 

Polen hat sich in den letzten Jahren stark auf die Erweiterung seiner Goldreserven konzentriert, was die nationale Strategie zur Stärkung der finanziellen Autonomie und zur Sicherung gegen globale wirtschaftliche Unsicherheiten unterstreicht. Vor dem Hintergrund der aktuellen EZB-Zinssenkungen und den erwarteten Anpassungen der US-Notenbank Federal Reserve plant Polen jedoch, seine Goldreserven signifikant zu erhöhen. Dies signalisiert an die internationalen Märkte eine Diversifizierung der polnischen Wirtschaftspolitik, womit sich das Land weniger von fremden Währungen abhängig machen möchte.

 

Diese Erhöhung der Goldreserven ist nicht nur ein Versuch, die wirtschaftliche Souveränität zu stärken. Es ist auch eine Reaktion auf die abnehmende Attraktivität von traditionellen Fiat-Währungen wie dem US-Dollar, welche durch die anhaltende Niedrigzinspolitik und Inflationssorgen unter Druck geraten sind. Polens Bestrebungen könnten ähnliche Bewegungen in anderen Ländern auslösen, die ebenfalls nach Wegen suchen, ihre ökonomische Resilienz zu stärken. Dies könnte langfristig erhebliche Auswirkungen auf den globalen Goldmarkt haben, was eine mögliche Preissteigerung und eine Neubewertung des Metalls als Kernstück der nationalen Währungsreserven einschließt.

 

 

Goldpreis unter Druck: Märkte warten auf neue Impulse

 

Die gestrige Zinssenkung der Europäischen Zentralbank hat den Goldpreis auf ein historisches Rekordhoch getrieben. Doch der Markt bleibt spannend: In der kommenden Woche wird der Fokus der Märkte auf die Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve gerichtet sein. Die Möglichkeit einer weiteren Zinssenkung durch die Fed könnte den Goldpreis weiter antreiben, insbesondere wenn die Märkte neue Anzeichen für eine lockere Geldpolitik in den USA erhalten.

 

Gleichzeitig beobachten die Anleger die Entwicklung der Inflation und das Wirtschaftswachstum in Europa und den USA genau. Die Zentralbanken setzen weltweit verstärkt auf Gold, um sich gegen wirtschaftliche und geopolitische Risiken abzusichern. Die kontinuierlichen Aufstockungen der Goldreserven durch Länder wie Polen deuten auf das wachsende Vertrauen in das Edelmetall als stabile Wertanlage hin.

 

In den nächsten Tagen könnte der Goldpreis volatil bleiben, da Marktteilnehmer sowohl auf die bevorstehenden Entscheidungen der Federal Reserve als auch auf weitere globale wirtschaftliche Entwicklungen reagieren. Während die Zeichen kurzfristig auf einem stabilen bis steigenden Preisniveau stehen, bleibt die Unsicherheit hoch. Geopolitische Spannungen, schwankende Inflationserwartungen und das Verhalten der Zentralbanken könnten den Goldpreis auf unerwartete Weise beeinflussen.

 

Der Goldmarkt steht somit erneut an einem kritischen Punkt: Die nächste Entscheidung der Federal Reserve könnte den Weg weisen, während das Vertrauen in Gold als sichere Anlage in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit weiterhin ungebrochen ist.


Dr. Mathias Kunze

Berater im Wirtschafts- und Steuerrecht

Dr. Mathias Kunze, ein erfahrener Ökonom und Wirtschaftsjurist, verfügt über drei Jahrzehnte Erfahrung in Unternehmensführung, Marketing, Finanzen und Steuerrecht. Er berät bei Unternehmensgründungen, internationaler Steueroptimierung sowie der Relokation von Individuen und Unternehmen ins Ausland. Als ausgewiesener Experte der Edelmetallmärkte bietet er wertvolle Beratung und Unterstützung. Dr. Kunze hat zahlreiche Studien und Artikel veröffentlicht und wurde für seine Beiträge in Forschung und Lehre ausgezeichnet. Er spricht Deutsch, Englisch, Polnisch und Russisch.
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